Rugby United – Sport verbindet

Johanna Metternich (35) spielt seit 15 Jahren Rugby. Letztes Jahr ist ihre Mannschaft Zweiter beim 15ner Rugby geworden. 2016 hat sie mit Lisa Nauman, Lynn Schüller und Vivian Salim für Flüchtlinge die Organisation „Rugby United“ gegründet.

Auf die Frage, was sie am meisten an Rugby mag antwortete sie: „Am Besten an Rugby finde ich zum einen die Gemeinschaft im Team und im Verein, dass man sich so richtig auspowern kann, und dass man immer weiter an sich arbeiten und dazulernen kann, für sich selbst, aber natürlich auch mit den anderen zusammen.“

Was machst du außer Rugby?

„Außerdem mache ich jetzt schon seit elf Jahren das „Rugby Summer Camp“ und ich bin auch Vorsitzende im Förderverein. Also Rugby nimmt sehr viel Zeit in meinem Leben ein. Ansonsten mache ich noch bei einer Flüchtlingsiniative in Junkersdorf ein bisschen mit […] und ich arbeite noch.“

Wie seid ihr auf den Namen „Ruby United“ gekommen?

Wir haben Tage lang überlegt […]. Rugby sollte auf jeden Fall vorhanden sein, aber wir wollten nicht direkt „Flüchtlinge“ im Name haben. Denn wir denken, dass die Leute vielleicht, wenn sie den Flüchtlingsstatus überwunden haben, bei uns bleiben und wir wollen auch offen für andere Leute sein. Und da passte Rugby United gut.“

Was ist Rugby United eigentlich?

„Wir bieten ein offenes, wöchent-liches Training, jeden Dienstag am Kölner Rugby Park, an. Jeder kann kommen, egal, woher man kommt, wie alt man ist oder ob man ein Mann oder eine Frau ist. […] Man kann einfach vorbei kommen, oder uns vorher über E-Mail oder über Facebook anschreiben.

Was macht ihr im Training?

„Es ist immer 1 ¼ bis 1 ½ Stunden Training. Da jedes Mal neue dabei sind und diese auch sehr unterschiedlich alt sind, der älteste war Anfang 40, arbeiten wir nicht darauf hin, dass wir wirklich mit tackeln spielen. Ohne Tackeln (Zubodenbringen eines Ballträgers) kann jeder mit-machen, der Laufen kann. Danach gibt es immer etwas zu essen. Das hatten wir von Anfang an geplant, weil man dann mal in Ruhe quatschen oder wenn es Probleme gab nochmal darüber reden kann. Das ist wichtig, weil man auch wegen des Teams kommt und nicht nur wegen des Sports. Und es fängt jetzt gerade an, dass Kinder, die schon sehr lange dabei sind, uns persönliche Sachen erzählen.

Gibt es ein Schicksal, dass dich besonders berührt hat?

„Es ist natürlich sehr berührend, dass das einfach noch total kleine Kinder sind, die schon so schreckliche Dinge erlebt haben. Einer hat mal erzählt, dass er über das Meer geflüchtet ist und mehrere aus seinem Boot ertrunken. Bei einem Mädchen merkt man das auch sehr stark, bei ihr muss man ganz behutsam sein. […] Sie hat zwar nur Bruch-stücke erzählt, aber man merkt einfach, dass sie viel erlebt hat“

Sind bei den Trainings haupt-sächlich Jungs dabei, oder auch Mädchen?

„Bei den Kindern sind manchmal mehr Jungs und manchmal mehr Mädchen dabei. Aber wenn mehr Jungs da sind, dann bekommen die Mädchen beim Spielen nie den Ball. Doch dann machen wir extra Regeln, wie z.B. das nur die Mädchen Punkte machen können. Dann klappt das.“

Dann fällt ihr lächelnd ein:

„Neulich waren in einem Training viel mehr Mädchen da und dann haben plötzlich die Jungs nicht mehr den Ball bekommen. Da haben die ganz schon blöd aus der Wäsche geschaut. Aber das war mal ganz gut, dann konnten wir darüber reden, dass es für beide Seiten blöd ist.“

Bekommen Flüchtlinge Sport-Klamotten gestellt?

„Wir haben vor allem von den Vereinsmitgliedern sehr viele Rugby Klamotten gespendet bekommen […], sodass die Flüchtlinge sich hier immer, wenn sie kommen, etwas raussuchen können. Nur für die ganz kleinen Kinder haben wir noch nicht genügend Sachen, da müssen wir noch mal sammeln.

Wie kommen Leute, die nicht alleine kommen können, zum Platz?

„Wir können im Moment die Kleinbusse vom ASV nutzen. Damit holen wir immer 16 Kinder aus Mühlheim ab. […] Und dann holen wir noch mit der Bahn Kinder in Marsdorf und Ehrenfeld ab. […] Aber es gibt auch ein paar, die selbständig mit der Bahn aus Porz, Ostheim und Raderthal kommen.“

Wie funktioniert es mit den verschiedenen Sprachen und Kulturen?

„Das ist vor allem bei den Kindern kein Problem. Und zur Not ist immer jemand da, der übersetzen kann. Das einzige, was ein bisschen schwieriger ist, ist mit Mädchen und Jungs. Wobei das vor allem bei den Kindern so ist. Die Erwachsenen haben eher ein Problem damit, dass wir alle nur Trainerinnen sind. Wenn wir zusammen spielen tun sich einige ein bisschen schwer. Aber wir finden, dass gehört hier in Deutschland dazu. Und wir zwingen ja niemanden mit uns in den Kontakt (tackeln) zu gehen, aber wir vermeiden es auch nicht von uns aus.“

Wie lässt sich das alles finanzieren?

„Wir hatten Glück, dass wir dieses Jahr im Frühling bei der Kölschen Sportnacht den Preis für die „Person des Jahres“ gewonnen haben. […] Da haben wir Geld gewonnen. Außerdem gibt es ein Förderprogramm vom Land, wo wir uns erfolgreich beworben hatten. […] Und es gibt aber auch private Leute, die uns kleinere bis mittlere Summen spenden. […] Wir bekommen auch regelmäßig Essen gespendet. Aber die größten Kosten sind Einkaufen, Tanken, Anschaffungen oder auch für Flyer. Bis jetzt läuft es ganz gut, aber man muss immer dran bleiben.“

Was ist euer Ziel?

„Wir wollen gerne, dass der Alltag der Flüchtlinge abwechslungsreicher wird und dass sie die Möglichkeit haben Anschluss zu finden. Wir wollen ihnen einen Zugang zu einem Verein bieten, um darüber neue Leute kennen zu lernen, sich besser zu integrieren und mit der Sprache weiter zu kommen. Das ist das soziale Ziel. Und sportlich wollen wir gerne, dass möglichst viele wirklich mit Rugby anfangen und sich dafür begeistern und das auch weiter tragen, wenn sie nicht mehr in Köln sind. Außerdem wollen wir noch, dass Rugby in Köln eine neue Facette bekommt und dadurch bekannter wird.“

… und außerdem macht es einfach Spaß.

Das Interview hat Lilith Hucho von der RSV U14 geführt

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